Glaube ist zeitlos!

Glaube ist zeitlos!

Kardinal Reinhard Marx weiht am 29. Juni im Münchner Liebfrauendom zwei Männer zu Priestern. Ein Artikel der in der Münchner Kirchenzeitung Nr. 25 am 23.06.2019 unter anderem über die Priesterweihe von Gregor Schweizer erschienen ist.

Der Zivildienst stellt für Jaime- Pasqual Hannig (41) seinerzeit schon so etwas wie das Sprungbrett in ein neues Leben dar. Aus dem kleinen und übersichtlichen Falkenberg in der Oberpfalz kommt der junge Mann 1995 nach München, um seinen damals noch 15 Monate dauernden Einsatz im Kreiskrankenhaus Perlach anzutreten. Das quirlige Leben der Großstadt begeistert ihn. „Ich war und bin bis heute von der Vielfalt der Menschen in dieser Stadt beeindruckt, in einem U-Bahn-Waggon ist die halbe Welt versammelt“, sagt er.
Der Weg zum Priester ist damals noch weit weg. Jaime-Pasqual ist zwar kirchlich durchaus interessiert, beruflich geht es jedoch zuerst in eine klein wenig andere Richtung, er nimmt sozusagen den Umweg über die Sakris-
tei: Nach dem Besuch der überdiözesanen Mesnerschule in Freising wird er hauptamtlicher Mesner und Hausmeister in der Neuhauser Pfarrei St. Vinzenz. Mit Anfang 20 ist er damals der jüngste Mesner der Erzdiözese. „Mir gefiel diese recht eigenverantwortliche Arbeit sehr, ich mochte es, die Gottesdienste vorzubereiten, mich um die Paramente, den Blumenschmuck und die Kirche zu kümmern.“ Bis heute hält er Kontakt zu ehemaligen Mesner-Kollegen. „Doch gleichzeitig spürte ich, dass das noch nicht das Ende der Fahnenstange war.“
Der Wunsch, Theologie zu studieren, mit der er in der Mesnerschule erstmals stärker in Berührung gekommen ist, wird plötzlich ganz präsent. 2004/05 beginnt er in Hamburg ein Fernstudium für das Abitur. Noch vor den Abschlussprüfungen meldet sich Hannig 2010 in Passau als Kandidat des Erzbistums für das sogenannte Propädeutikum an, das grundlegende und studienvorbereitende Jahr vor der Priesterausbildung. „Lieber Gott, wenn du mich willst, dann schaffe ich das“, betet er. Rückblickend erinnert er sich: „Es erfüllte mich mit großer Freude, in völliger Freiheit den geistlichen Weg einzuschlagen.“ Das Theologiestudium in München ergänzt er um zwei Semester Islamische Theologie in Tübingen – auch eine Reminiszenz an seinen leider schon verstorbenen Vater, der Muslim war. Geistlicher Mittelpunkt in München ist für Hannig die Theatinerkirche St. Kajetan am Odeonsplatz. Die Predigten der dortigen Dominikaner beeindrucken ihn, er ministriert oft und gern. Wie diese möchte er zukünftig als Priester die Botschaft von Jesus Christus als „dem Weg, der Wahrheit und dem Leben“ vermitteln: „Ich will den Menschen zeigen, dass Glaube zeitlos ist.“
Aus einer katholischen Großfamilie von einem Bauernhof in Oberschwaben stammt Gregor Schweizer (29). Der Kirchgang gehört zum Leben dazu, Gregor ist Oberministrant. Als er 14 Jahre alt ist, führt die Gemeinschaft Emmanuel für zehn Tage eine Gemeindemission durch. Die Freude am Glauben, die Gregor damals verspürt, hat ihn bis heute nicht verlassen. Ein Jahr später, im Sommer 2005, besucht er den Weltjugendtag (WJT) in Köln. Wieder ist es das große Glaubensfest, das ihn tief berührt. Dazu kommen die zahlreichen Glaubenzeugnisse junger Menschen, die ihn beeindrucken. Er spürt so deutlich wie nie zuvor: „Jesus will mein Freund sein.“
Nach dem WJT tritt er einem Gebetskreis der Jugend 2000 in seiner Heimat bei, in den Oster- und Sommerferien besucht er die Foren der Gemeinschaft Emmanuel in Altötting. Nach dem Abitur geht Schweizer zur „Emmanuel School of Mission“ in Altötting. Sie bietet jungen Menschen aus aller Welt die Möglichkeit, „Gott ein Ja(hr) zu schenken“. Während neun Monaten leben sie zusammen und lassen sich durch geistliches und gemeinschaftliches Leben in ihrer Persönlichkeit formen. Der musikalische junge Mann spielt in dieser Zeit auch höchst erfolgreich in einem Musical der Schule die Hauptrolle: die Figur des Petrus. „Vor 1.500 Menschen auf dem Kapellplatz aufzutreten, war ein großes Erlebnis.“
Es folgt ein „Unterscheidungsjahr“ der Gemeinschaft in Belgien. Persönliche Begleitung und gemeinsame Aktivitäten sollen ihm helfen, seine Berufung abzuklären, was es für ihn heißt, Christus nachzufolgen. „Mir wurde klar, ich möchte einen Schritt weiter gehen Richtung Priestertum.“ Schweizer tritt ins Münchner Priesterseminar ein. Das Freijahr führt ihn nach Paris, er wirkt in einer Einrichtung der Gemeinschaft für ehemals Obdachlose mit. Letztlich werden es drei Jahre in der französischen Hauptstadt, wo Kirche um vieles anders ist als in Deutschland, und Schweizer sein Studium erfolgreich beendet. Als Priester und Mitglied der Gemeinschaft Emmanuel, die ihm geistliche Heimat und Familie ist, möchte er in Zukunft die Menschen begleiten, „zu dem hin, der Leben in Fülle schenken will“. „Dafür will ich den Geruch der Schafe annehmen und den Wohlgeruch von Gottes Botschaft verbreiten, auch bei jenen, die nicht glauben und mit Kirche nichts mehr am Hut haben.“
Florian Ertl
Der Autor ist stellv. MK-Chefredakteur.
Die Priesterweihe durch Kardinal Reinhard Marx wird am Samstag, 29. Juni, um 9 Uhr im Münchner Liebfrauendom gefeiert.

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